Vom Wäschewaschen bis zur Bereitstellung von Gesellschaft und dem Ausführen von Rückwärtssaltos waren humanoide Roboter auf der IFA 2026 überall präsent. Euronews hat sich genauer angesehen, was sie bereits können und wo die Technologie noch Schwachstellen aufweist.
Die IFA dreht sich ganz um Technologie und Innovation, wobei Unternehmen aus der ganzen Welt ihre Visionen für die Zukunft präsentieren.
Im Jahr 2026 umfassen viele dieser Visionen humanoide Roboter, und Unternehmen brachten eine Menge davon nach Berlin.
Durch die Messehallen begegneten Besucherinnen und Besucher immer wieder Roboter, die gingen, winkten, mit Menschenmengen interagierten oder einzelne Aufgaben demonstrierten, wobei einige erstmals einem europäischen Publikum vorgestellt wurden.
„Neben künstlicher Intelligenz gehört die Robotik zu den wichtigsten Zukunftsthemen der IFA 2026“, sagte Leif Lindner, Geschäftsführer der IFA Management GmbH. Er verwies auf Humanoide, physische KI und robotische Systeme für das Zuhause als Beispiele dafür, wie schnell sich die Technologie entwickelt.
Doch jenseits der bloßen Demonstration, dass Roboter gehen, sprechen oder winken können, versuchen die Unternehmen zunehmend zu zeigen, wofür sie tatsächlich eingesetzt werden könnten. Zum Ausklang der Messe hat Euronews einige der robotischen Höhepunkte dieser IFA zusammengestellt.
Praktische Anwendungen
Vielleicht kam die ehrgeizigste Vision von dem südkoreanischen Elektronikhersteller LG, der seine Idee eines „Zero Labor Home“ vorstellte.
Im Zentrum der LG-Präsentation auf der IFA stand CLOiD, LGs Haushaltsroboter, den das Unternehmen als symbolischen Dirigenten eines „AI-Orchesters“ nutzte, das Geräte im ganzen Zuhause verbindet.
LG sagt, sein langfristiges Ziel sei es, die Hausarbeit zu reduzieren, die Menschen zu erledigen haben, wobei Roboter und vernetzte Geräte alltägliche Aufgaben übernehmen.
Der chinesische Hersteller von Haushaltsgeräten und Unterhaltungselektronik Haier konzentrierte sich ebenfalls darauf, wie Roboter im Haushalt eingesetzt werden könnten. Auf der IFA stellte das Unternehmen humanoide Roboter vor, die mit Menschen und Geräten interagieren sollen, neben Reinigungs- und Begleitrobotern.
Ein weiteres Beispiel kam vom US-amerikanischen Unternehmen SwitchBot, das demonstrierte, wie ein Roboter Kleidung in eine Waschmaschine lädt.
Der Roboter konnte Kleidung aufheben, sie in die Maschine legen und sie schließen, was eine mögliche Nutzung humanoider Roboter im Haushalt demonstrierte. Der Prozess war jedoch deutlich langsam. Während der Roboter die Wäsche also abnehmen konnte, benötigt man derzeit viel Geduld.
Der chinesische Hersteller Pudu Robotics richtet derzeit stärker den Blick auf kommerzielle Anwendungen. Das Unternehmen hat sich bisher überwiegend auf Service- und Reinigungsroboter konzentriert, die in Bereichen wie Gastgewerbe, Einzelhandel, Gesundheitswesen und Logistik eingesetzt werden sollen. Auf der IFA stellte es außerdem seinen humanoiden Roboter PUDU D7 vor.
Auf dem Stand zeigte der Roboter relativ einfache Interaktionen. Er konnte auf Wunsch Objekte aufnehmen, sich mit Besuchern für Fotos positionieren, Selfies aus seiner eigenen Perspektive aufnehmen und mit den Händen ein Herz formen.
Solche Demonstrationen entfernen sich noch sehr davon, dass Roboter komplexe Alltagsaufgaben eigenständig und schnell bewältigen. Doch sie geben eine Vorstellung davon, wo Hersteller Potenziale für humanoide Roboter jenseits der Ausstellungsfläche sehen.
Begleiter
Doch nicht jedes Unternehmen versucht, Roboter menschlich aussehen zu lassen oder sich zu verhalten wie Menschen. Einige entfernen sich ganz von der humanoiden Form und entwickeln kleinere, oft tierinspirierten Roboter, die weniger als Haushaltshelfer und mehr als Begleiter gedacht sind.
Der chinesische Elektronikhersteller TCL präsentierte AiMe, einen KI-Begleiter-Roboter, der darauf ausgelegt ist, mit Menschen zu interagieren und auf Stimmen, Ausdrücke und emotionale Signale zu reagieren.
Das Unternehmen sagt, dass er über Gespräche, Spiele und Geschichtenerzählungen mit Nutzern interagieren kann, während er sich über die Zeit an frühere Interaktionen erinnert. Er sei auch personalisierbar und sehe mit seinem runden Design und dem sanft wirkenden Erscheinungsbild eher wie ein Teddybär als wie ein herkömmlicher Roboter aus.
Eine ähnliche Idee stammt vom chinesischen Unternehmen OlloBot mit dem OlloNi SS1, das es als „Cyber-Pet“ bezeichnet. Das Unternehmen sagt, der kleine Roboter könne im Laufe der Zeit aus der Stimme, den Gewohnheiten und Interaktionen eines Nutzers lernen und seine Antworten entsprechend anpassen.
Auch sein Aussehen weicht bewusst vom traditionellen Bild eines Roboters ab. Mit einem runden Körper und Bewegungen, die darauf abzielen, die eines Haustieres zu imitieren, soll der SS1 sich eher wie ein Begleiter als wie ein Technikstück anfühlen.
Andere Hersteller hielten sich stärker an Begleiter, die Menschen bereits bekannt sind, und ließen sich von der Tierwelt inspirieren. MagicLab Robotics brachte mehrere Humanoide nach Berlin, die in Panda-Kostümen gekleidet waren; ihre Fähigkeiten waren jedoch weniger typisch für ihre realen Vorbilder, da die Roboter wiederholt Rückwärtssaltos vollführten.
Tatsächlich ließen sich Unterhaltung und Spektakel nicht so leicht von den praktischeren Ambitionen im Zusammenhang mit humanoiden Robotern auf der IFA trennen.
Viele Unternehmen nutzten Tanzen, Akrobatik und Interaktionen mit Besuchern, um zu demonstrieren, was ihre Maschinen bereits können, auch wenn diese Fähigkeiten nicht offensichtlich im Alltag sinnvoll eingesetzt werden könnten.
Roboter auf der Bühne
Nirgendwo war das deutlicher zu sehen als bei der Robot Show der IFA.
Humanoide Roboter und Roboter-Tierchen kamen auf dem Laufsteg zusammen, um zu tanzen, Tai-Chi zu zeigen, Rückwärtssaltos zu vollführen und sogar Spagats zu demonstrieren.
Aus der Menge geschlossen war es eine der beliebtesten Attraktionen der Messe. Der Bereich war von Besuchern dicht umlagert, begleitet von Jubel und Applaus, während die Roboter ihre Darbietungen zeigten.
Doch die Show erinnerte auch daran, wie weit die Technologie noch gehen muss.
Einige der Roboter wirkten nach ihren Darbietungen merklich unsicher. Einer, der gerade den Spagat beendet hatte, wirkte besonders wackelig, als er wieder auf die Füße kam, während ein roboter Hund bei einer weiteren Vorführung umstürzte.
Die Roboter schafften es zweifellos, das Publikum zu unterhalten. Aber zumindest vorerst scheinen sie noch nicht ganz bereit für die große Bühne.

