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Russischer Gas-Tanker treibt im Mittelmeer, könnte explodieren und eine Umweltkatastrophe auslösen

21. März 2026

Ein russisches Schiff, das durch Explosionen beschädigt wurde, treibt seit zwei Wochen unkontrolliert im Mittelmeer und bleibt eine potenzielle Quelle eines schweren Umweltunfalls. Rettungskräfte und Umweltaktivisten warnen: Die Lage vor der Küste Maltas wird rasch komplizierter.

Der russische Gasschiffträger Arctic Metagaz, durch eine Reihe von Explosionen beschädigt, treibt seit fast zwei Wochen unkontrolliert im Mittelmeer und ruft bei Küstenstaaten und Umweltaktivisten zunehmende Besorgnis hervor.

Moskau behauptet, dass das Schiff, das einer autorisierten „Schattenflotte“ gehört, von ukrainischen maritimen Drohnen angegriffen worden sei. Kiew hat zu diesen Behauptungen keinen Kommentar abgegeben.

Luftaufnahmen, die nach dem Angriff gemacht wurden, zeigen eine riesige Bruchstelle von mehreren Dutzend Metern Breite nahe der Wasserlinie. Das Ausmaß der Zerstörung war so groß, dass libysche Behörden das Schiff am 4. März fälschlicherweise als Wrack erklärten.

Rumpfschäden und Evakuierung der Besatzung

Der riesige 277 Meter lange Tanker, dessen Rumpf durch das Feuer schwarz geworden ist, geriet nach Explosionen am 3. März außer Kontrolle, als 30 Besatzungsmitglieder – überwiegend russische und philippinische Staatsangehörige – gezwungen wurden, das Schiff zu verlassen.

Nach russischen Berichten sind weiterhin Knallgeräusche an Bord zu hören, Gasemissionen wurden registriert, die Belastung hat zugenommen, und in einigen Kompartimenten sind örtliche Brände ausgebrochen. Zum Zeitpunkt der Evakuierung der Besatzung befanden sich 450 Tonnen Bunkeröl, 250 Tonnen Dieselkraftstoff und erhebliche Mengen Erdgas in den Tanks, was das Risiko einer Notlage bis hin zur Explosion deutlich erhöht.

Umweltrisiken und Europas Reaktion

AFP-Filmmaterial, das am Sonntag aufgenommen wurde, zeigt das Schiff etwa 50 Seemeilen südwestlich von Malta, wobei Heck und Seiten des Tankers deutlich durch das Feuer schwarz verfärbt sind.

Umweltschützer haben das Arctic Metagaz als eine „schwimmende Zeitbombe“ bezeichnet und gewarnt, dass ein Leck oder eine Explosion langfristige Schäden an einer der artenreichsten Regionen des Mittelmeers verursachen könnte. Experten weisen darauf hin, dass der beschädigte Rumpf und fortlaufende interne Prozesse die Situation unberechenbar machen.

Die führende Umwelt-NGO WWF betonte, dass eine mögliche Kontamination Jahre lang Folgen haben könnte.

Auch die Regierungen Europas zeigen sich besorgt über die Lage: Italien, Frankreich und sieben weitere EU-Länder haben einen gemeinsamen Appell an die Europäische Kommission gerichtet und vor einer „sofortigen und schweren Gefahr“ für die Region gewarnt.

Rechtliche Unsicherheit

Das Schiff treibt zwischen Malta und den italienischen Inseln Lampedusa und Linosa, bleibt jedoch in internationalen Gewässern, was die Frage nach der Zuständigkeit für ein Eingreifen erschwert.

Rettungsteams befinden sich bereits in Malta und bereiten sich auf ein mögliches Eingreifen vor, falls das Schiff in die Hoheitsgewässer des Landes eindringt. Die Frage, wer genau handeln soll, bleibt jedoch Gegenstand diplomatischer Auseinandersetzungen.

Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Zakharova, sagte, Moskau kontrolliere die Situation als Flaggenstaat, betonte jedoch, dass internationale Normen die Verantwortung zur Verhinderung von Umweltschäden auf die Küstenstaaten verweisen.

Während darüber diskutiert wird, wer genau entschieden handeln sollte, treibt Arctic Metagaz weiterhin unkontrolliert dahin, und das Risiko eines schweren Umweltvorfalls bleibt hoch.

Lennart Krüger

Lennart Krüger

Ich bin Lennart Krüger, Redakteur bei S-Bahn Hamburg. Ich schreibe über Stadtleben, Kultur und alles, was Hamburg bewegt – von neuen Projekten bis zu verborgenen Geschichten. Meine Leidenschaft: die Vielfalt dieser Stadt in Worte zu fassen.