Das Magazin der S-Bahn Hamburg
Die Bahn fährt nicht? Das steckt dahinter!

Die Bahn fährt nicht? Das steckt dahinter!

Verspätungen und ausgefallene Züge sind nie schön. Wir erklären euch, was alles im Hintergrund passiert, wenn eine Bahn im Streckennetz nicht fährt.

 

Na, auch schon einmal darüber nachgedacht, den Fußweg über die S-Bahn-Gleise abzukürzen? Gar keine gute Idee! Denn das bringt nicht nur euch in echte Lebensgefahr, sondern hat auch Folgen für den S-Bahn-Verkehr und verursacht viel Arbeit hinter den Kulissen. „Wenn Personen auf den Gleisen gesichtet werden, handeln wir sofort, indem die Stromschiene ausgeschaltet und die Gleise gesperrt werden“, betont Frank Holtmann, Leiter Netz- und Stationsmanagement bei der S-Bahn Hamburg. Das gilt natürlich auch bei Unfällen oder wenn die Bundespolizei Straftäter in Gleisanlagen verfolgt. Für die Fahrgäste bedeutet dies, dass der S-Bahn-Verkehr erst einmal unterbrochen ist. Und das passiert gar nicht mal so selten: Allein 2015 gab es bei der S-Bahn Hamburg 139 Sperrungen aufgrund betriebsfremder Personen im oder am Gleis.

Wenn Personen im Gleis gesichtet werden, handeln wir sofort: Die Stromschiene wird ausgeschaltet und das Gleis gesperrt.
Frank Holtmann, Leiter Netz- und Stationsmanagement bei der S-Bahn Hamburg.

„Wenn sich Personen im Gleis befinden, bemerkt dies meistens zuerst ein Triebfahrzeugführer, ein Mitarbeiter von DB Sicherheit oder die zentrale Aufsicht. Diese verständigen die Notfallleitstelle in der Betriebs- und Servicezentrale der S-Bahn Hamburg, die wiederum die Bundespolizei und bei Unfällen auch die Feuerwehr ruft. Parallel werden die Fahrdienstleiter, die über die Netzleitstelle das Ausschalten der Stromschiene veranlassen, sowie die Transportleitung und die Disponenten informiert“, fasst Holtmann solch eine Notfallsituation kurz zusammen.

Wie viel Zeit zwischen der Meldung und dem Eintreffen der Bundespolizei und gegebenenfalls der Feuerwehr vergeht, hängt ganz davon ab, wo – im Beispielfall – die Menschen auf den Gleisen sind. „Am Hauptbahnhof befindet sich eine Wache, sodass die Gleisanlagen der näheren Umgebung von den Beamten in wenigen Minuten erreicht sind. Ereignet sich ein Vorfall in den Außenbereichen des S-Bahn-Netzes, womöglich auf freier Strecke und schwer zugänglich, dauert es deutlich länger“, sagt Frank Holtmann. „Die Stromschiene kann nicht punktuell ausgeschaltet werden.

Je nach Netzlage ist ein Bereich von 500 Metern bis zu zehn Kilometern ohne Stromversorgung“, erklärt Robert Dietrich, Leiter Transportleitung bei der S-Bahn Hamburg. Sein Team ist es auch, das im Bedarfsfall den sogenannten Busnotverkehr einrichtet. Dies passiert, wenn absehbar ist, dass die Gleissperrung länger andauert und keine Umfahrungsmöglichkeiten mit anderen Verkehrsmitteln bestehen. Die S-Bahn Hamburg hat dazu Verträge mit Busunternehmen abgeschlossen, die genau in solchen Fällen einspringen. „Aber natürlich halten die keine komplette Flotte samt Fahrern für uns vor“, so Dietrich. Eine halbe bis hin zu einer dreiviertel Stunde Zeit kann vergehen, bis die Bus-Disponenten die angeforderten Fahrzeuge an den betreffenden Bahnhöfen haben. Mit der Transportleitung wird die Route des Busnotverkehrs besprochen.

Ist zum Beispiel die zwölf Kilometer lange Strecke zwischen Bergedorf und Berliner Tor betroffen, dann werden einzelne Busse jeden Bahnhof anfahren, eingesetzte Expressbusse halten nur am Start- und Zielbahnhof. Sind nicht ausreichend Busse da, besteht auch ein ähnlicher Vertrag mit Taxiunternehmen, die dann ebenfalls einspringen können.

Am Hauptbahnhof befindet sich eine Wache, sodass die Gleisanlagen der näheren Umgebung von den Beamten in wenigen Minuten erreicht sind.
Frank Holtmann, Leiter Netz- und Stationsmanagement bei der S-Bahn Hamburg.

Ein Busnotverkehr braucht natürlich viel länger, um ans Ziel zu kommen. Da können aus zwölf Kilometern Schiene schnell 25 Kilometer Straße werden. Wenn man keinen Stress hat, ist es manchmal sinnvoller, einfach auf die nächste Bahn zu warten. Angaben, wann der nächste Zug fahren kann, erhaltet ihr in den Stationen durch Lautsprecheransagen oder über Zuganzeiger auf den Bahnsteigen.