Das Magazin der S-Bahn Hamburg
Quereinstieg als Lokführer: Aus der Gastronomie in den Zug

Quereinstieg als Lokführer: Aus der Gastronomie in den Zug

20 Jahre arbeitete Christian Heesch in der Gastronomie. Heute steuert er als Lokführer Züge kreuz und quer durch Hamburg. Wir haben ihn bei einer Frühschicht begleitet.

Christian Heesch steuert mit seiner S-Bahn auf den Bahnhof Dammtor zu. Seinen Lieblingsbahnhof. Über der Außenalster geht die Sonne auf. Der 38-Jährige ist seit Ende 2020 Triebfahrzeugführer, so die offizielle Berufsbezeichnung,  bei der S-Bahn Hamburg. „Die Fahrt über die Lombardsbrücke in Richtung Dammtor ist jedes Mal ein Highlight“, sagt er. „Egal, wie oft ich die Strecke fahre.“

Christian ist gelernter Hotelfachmann. Gäste betreuen, hinter der Bar stehen und kleine Arbeiten in der Küche: Nach 20 Jahren in der Gastronomie ist damit Schluss. Anfang 2020 entschied er sich dazu, einen Quereinstieg als Lokführer bei der S-Bahn Hamburg zu machen. „Leicht fiel mir der Neuanfang nicht, aber ich wollte raus aus der Gastronomie“, sagt er.

Bereits vor zehn Jahren spielte der 38-jährige Hamburger mit dem Gedanken, Lokführer bei der S-Bahn Hamburg zu werden. Damals war ein technischer Beruf noch Voraussetzung für diesen Schritt. Heute ist das nicht mehr nötig.

Als er das bei Recherchen herausfand, war für ihn klar: „Das mache ich jetzt!“

Quereinstieg: in neun Monaten zum Lokführer

Nach erfolgreichem Bewerbungsprozess stand für Christian noch eine körperliche Untersuchung sowie ein psychologischer Eignungstest auf dem Programm. Dann ging es los. „Bei Ausbildungsbeginn hat sich auch Herr Arnecke, der Geschäftsführer der S-Bahn Hamburg, bei unserem Kurs vorgestellt, das fand ich persönlich sehr wertschätzend“, erinnert er sich.

Von dem Tag seiner Bewerbung bis zu seinem ersten offiziellen Arbeitstag sind gerade Mal neun Monate vergangen. „Die ersten ein, zwei Monate in der Ausbildung sind hart, aber ab dann machts nur noch Spaß“, sagt Christian mit einem Lächeln im Gesicht.

Technische Kenntnisse und das Regelwerk des Bahnverkehrs: In den ersten Monaten der Ausbildung wird viel Theorie vermittelt. Danach steht die Praxis im Vordergrund. Die neunmonatige Ausbildung hat vor allem ein Ziel: Die Quereinsteiger:innen bestmöglich auf ihre Aufgaben im Lokführerstand vorzubereiten.

„Die ganzen Regeln und auch das technische Wissen, das schafft man, das kann man lernen. Ich als Hotelfachmann habe das geschafft, dann schaffen andere das auch“, erzählt Christian, der übrigens während der Ausbildung noch zum zweiten Mal Papa wurde.

Einsamkeit im Lokführerstand? Fehlanzeige!

Als Nächstes steht eine Rangierfahrt auf dem Plan. „Das hatte ich auch länger nicht mehr“, gibt Christian zu. Kuppeln, Aufrüsten oder der Austausch mit Fahrgästen: Die Abwechslung ist für ihn ein Vorteil des Berufs. „Am Anfang dachte ich, man hat hier seinen Zug und fährt den ganzen Tag hin und her.“

Am Anfang dachte ich, man hat hier seinen Zug und fährt den ganzen Tag hin und her.

Sein Arbeitsalltag sieht aber ganz anders aus. Den gleichen Zug fährt er nur selten zwei Mal hintereinander. Je nach Schichtplan wechselt er diesen mehrmals am Tag und regelmäßig auch die S-Bahn-Linie. Dazwischen kommt er auf dem Bahnsteig ins Gespräch mit Fahrgästen oder schnackt auch mal kurz mit seinen Kolleg:innen im Pausenraum.

„Der Kontakt mit den Fahrgästen ist mir wichtig. Vielleicht ist hier meine Gastronomieerfahrung auch von Vorteil.“ Transparenz bei Störungen im Fahrablauf hat für Christian Priorität: „Ich mache dann Durchsagen und sage den Fahrgästen, was Sache ist“, so Christian.

"Bis kein Lokführer mehr im Zug sitzt, wird es noch eine Weile dauern"

Auch in Sachen Weiterbildungen ist der 38-Jährige regelmäßig gefordert: „Man muss hier ständig lernen. Das wird nie langweilig.“ Ausbilder, Fahrtrainer oder Teamleiter: Als Lokführer stehen einem viele Weiterbildungsmöglichkeiten in Aussicht.

„Der Beruf verändert sich Jahr für Jahr und er wird sich auch in den nächsten 20 Jahren verändern, aber bis kein Lokführer mehr im Zug sitzt, wird es noch eine Weile dauern“, so Christians Einschätzung.

Autonomes Fahren ist auch in der Ausbildung schon ein Thema. Neue Aufgaben schrecken ihn nicht ab. Im Gegenteil, er sieht diese eher als Herausforderung: „Ich habe diesen Quereinstieg geschafft, dann schaffe ich auch diesen Schritt“, sagt Christian.

Ihr habt Interesse an dem Beruf des Triebfahrzeugführers?

Quereinstieg als Lokführer: Aus der Gastronomie in den Zug

Wir bewegen viel: Bis zu 700.000 Fahrgäste täglich, eine Bilanz, die sich sehen lassen kann. In Sachen Verkehr sind wir Profis. Und wir suchen Profis wie euch, die mit uns gemeinsam etwas voranbringen wollen. Auf der Schiene und im Beruf.

Fotos:

Sophie Fiebeler