Das Magazin der S-Bahn Hamburg
Sicher durch Hamburg – die S-Bahn im Winter

Sicher durch Hamburg – die S-Bahn im Winter

Wenn es richtig kalt wird und der erste Schnee fällt, herrscht auf Hamburgs Straßen, aufgrund der Glätte, oft Ausnahmezustand. Auch die S-Bahn wappnet sich gegen die Kälte.

Kalte, klare Luft, Schneeflocken fallen auf die Straße und die Stadt beginnt in einem winterlichen Glanz zu leuchten. Was romantisch klingt, sorgt meistens für echte Turbulenzen im Straßenverkehr. Auch die S-Bahn lässt der Winter nicht kalt, aber das Verkehrsunternehmen zieht sich warm an. Seit September laufen bereits Maßnahmen, damit der Betrieb bei einem Wintereinbruch möglichst nicht beeinträchtigt wird. Ein Herbst- und Winterkoordinator der S-Bahn Hamburg stellt sicher, dass der Winterplan vorbereitet und umgesetzt wird.

Wie sieht solch ein Winterplan aus?

Es sind einige Vorbereitungen im Streckennetz, an den Fahrzeugen und den einzelnen Stationen zu treffen.

Die Planung beginnt früh: Im Juli, wenn in der Hansestadt die Sonne für warme Temperaturen sorgt, werden bereits erste Gespräche mit Dienstleistern geführt, die sich um den Winterdienst der Instandhaltungswerke und der Abstellanlagen kümmern. Koordiniert wird die umgehende Räumung der einzelnen Bahnhöfe von DB Station&Service, die auch von der Betriebs- und Servicezentrale (BSZ) über glatte Bahnsteige informiert werden.

Zudem wird sichergestellt, dass alle Triebfahrzeugführer mit speziellem „Wintermaterial“ ausgestattet sind, das insbesondere bei den älteren Fahrzeugen der Baureihe 472 zum Einsatz kommt. Auch die Bremsleitungen können leicht einfrieren. Da die Züge mit Luft gebremst werden, bildet sich in den geschlossenen Bremsleitungen Kondenswasser, das an der niedrigsten Stelle der Schläuche gefrieren kann. So werden Störungen verursacht, die bis zum Ausfall des Zuges führen können. Aus diesem Grund müssen die 472-Züge im Rahmen des Winterplans zusätzlich „entwässert“ werden.

Auch die Fahrzeuge der Baureihe 474 gilt es für winterliche Temperaturen zu rüsten, genauer die Zwei-Systemfahrzeuge, die auf der Strecke zwischen Neugraben und Stade mit Strom über die Oberleitung mittels Dachpanthografen betrieben werden. Um das Einfrieren des Dachpanthografen zu vermeiden und einen reibungslosen Systemwechsel in Neugraben zu gewährleisten, wurde vor drei Jahren eine Software mit dem Hersteller Bombardier Transportation entwickelt, mit der die Klinke, die ein nicht gewolltes Lösen des Dachpantografen verhindern soll, alle zwei Stationen einmal kurz geöffnet und wieder geschlossen wird.

Damit die Züge ohne Probleme auf den Schienen fahren können, haben viele Weichen im Streckennetz eingebaute Weichenheizungen. Diese sorgen dafür, dass der Fahrdienstleiter die entsprechenden Fahrstraßen auch bei Schnee und Eis einstellen kann. Die Weichenheizungen springen automatisch bei 4 Grad an und verhindern das Einfrieren der Verbindungen.

Auch die Züge werden beheizt. Sollte ein Zug am Morgen doch mal unangenehm kalt sein, ist die Antriebsanlage für die Heizungsfunktion ausgefallen. Wenn diese ausfällt, ist der Kühlmitteldruck zu niedrig, denn er verhindert eine Überhitzung des Antriebs. Der Triebfahrzeugführer kann hier kaum eine Veränderung herbeiführen. Er kann den Schaden nur melden, damit das Fahrzeug schnellstmöglich der Werkstatt zugeführt werden kann. 

Der Winterplan sieht in der Zeit vom 1. Dezember bis zum 31. März zusätzliche Bereitschaften der Triebfahrzeugführer vor für die nächtliche Überwachung der abgestellten Züge vor. Die Triebfahrzeugführer stellen sicher, dass alle Heizungen einwandfrei in Betrieb genommen werden, die Türen geschlossen und alle anderen Funktionen des Zuges intakt sind. Wenn diese sogenannten „Frostbereitschaften“ aufgrund der warmen Temperaturen nicht benötigt werden, teilen sich die Kollegen in andere Bereiche auf.