Das Magazin der S-Bahn Hamburg
50 Jahre 470 128 – ein Blick auf den Traditionszug

50 Jahre 470 128 – ein Blick auf den Traditionszug

Die historischen Züge der S-Bahn Hamburg haben eine große Fangemeinde. Kein Wunder – sie sind ja auch wahre Schmuckstücke! Erst vor Kurzem feierte der 470 128 mit einer Sonderfahrt 50-jähriges Jubiläum. Wir sind mitgefahren und haben mit den Kollegen vom Verein Historische S-Bahn e.V über die Faszination dieser Züge gesprochen.

Die Sonne lacht. Am Bahnsteig in Ohlsdorf warten an einem Sonntag schon früh morgens die ersten Fans, um das Geburtstagskind fotografieren zu können. In diesem Fall ist es der 470 128, der bereits seit 50 Jahren in Hamburgs Streckennetz seine Runden dreht. Für die Lokführer der Sonderfahrten des Vereins Historische S-Bahn e.V. dürften die Menschentrauben an den Bahnsteigen keine Überraschung mehr sein. Bei jeder Veranstaltung erfreuen sich die Museumszüge großer Begeisterung.

Was genau macht die Faszination für die älteren Fahrzeuge aus? Jannik Scharff hat da seine ganz eigene Erklärung: „Mich fasziniert die alte, robuste Technik, die hinter den Museumszügen steckt und die Möglichkeit zu erleben, wie das Reisen vor gut 50 Jahren war.“ Er selbst ist mit den roten S-Bahn-Zügen aufgewachsen und kennt die blaue Variante im Alltag nur von Erzählungen. Bei den historischen Zügen beeindruckt aber nicht nur die Technik, es ist der Charme der alten Mechanik und Elektrik.

Sie machen den großen Unterschied zu den modernen Fahrzeugen, bei denen viele Funktionen über den Bordcomputer gesteuert werden. Das Fahren mit den historischen Bahnen ist eben ein Erlebnis: die einzigartige und unverkennbare Geräuschkulisse hebt sich deutlich von den moderneren Zügen ab. Kein Wunder also, dass viele Vereinsmitglieder über den Verein zu ihrem späteren Traumjob gelangen – meist sogar direkt bei der S-Bahn Hamburg.

Wir nehmen das Geburtstagskind unter die Lupe

Der 470 128 hatte seinen letzten Planeinsatz am Morgen des 17. Dezember 2002 auf der Linie der S2 zwischen Bergedorf, Landungsbrücken und Altona. Nach seinem Ausscheiden aus dem Regelbetrieb war der Traditionszug bereits von 2005 bis 2006 für Sonderfahrten im Einsatz. Ein weiterer Endwagen der Baureihe 470 - der 470 437 - steht heute übrigens im Lokschuppen Aumühle des Vereins Verkehrsamateure und Museumsbahn (VVM) und kann bei Interesse sonntags zwischen 11 und 17 Uhr besichtigt werden

Bei seiner fünften Hauptuntersuchung 1993 wurde der gesamte Zug ausgeräumt und neu aufgebaut. Dabei wurde auch die Trennwand, die das Traglastenabteil vom Fahrgastraum getrennt hat, in beiden Endwagen entfernt.  Außerdem erhielt der 470 128 eine neue, verbesserte Innenbeleuchtung in Form eines Leuchtstoffröhrenbandes der Baureihe 472/473. Der 470 128 unterscheidet sich zu seinen Nachfolgern ziemlich deutlich im Lokführerstand. Besonders auffällig sind dabei die Panorama-Frontscheiben, die dem Lokführer ein 180° weites Blickfeld nach vorne ermöglichen.

Je moderner die Züge werden, desto mehr verändert sich auch das Aussehen der Züge. Dabei beschränkt sich das Sichtfeld des Lokführers mittlerweile - so wie im ET490 - auf den wichtigsten Bereich: den Blick nach vorne auf die Strecke. Auch bei den Türen spürt man einen deutlichen Unterschied – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn während wir heutzutage gewohnt sind, die Türen per Knopfdruck zu öffnen, ist bei den Türen des 470 128 Muskelkraft gefragt. An den massiven Griffen zieht man die Türen auf und zu.

Seid ihr schon mal mitgefahren?

Wir ja!

Die Hauptuntersuchung des Traditionszuges wurde 2015 abgeschlossen. Nach dieser darf er sechs Jahre uneingeschränkt betrieben werden.  Nach Ablauf dieser sechs Jahre besteht zweimal die Möglichkeit, die Frist noch um jeweils ein Jahr zu verlängern. Sind auch diese zwei Jahre vorbei, ist eine erneute Hauptuntersuchung des Zuges notwendig, selbst wenn alle Teile und Komponenten noch in einem guten Zustand sind. So wird garantiert, dass jedes Eisenbahnfahrzeug, egal ob historischer Museumszug oder moderner S-Bahn-Zug, sicher ist.

Von unseren rund 440 Lokführern dürfen nur 10 Kollegen die Museumszüge 470 128 sowie auch 471 082 fahren, sieben davon sind auch im Verein Mitglied.

Wie die Züge instandgehalten werden?

Hier arbeiten die S-Bahn Hamburg und der Verein ganz eng zusammen. Die Experten, die sich mit den historischen Zügen auskennen, werden aber immer weniger. Zudem werden die Vorschriften für den Eisenbahnverkehr in Hamburg immer komplexer. Da das Interesse und die Begeisterung aber nicht abnehmen, sondern eher Jahr für Jahr mehr werden, veranstaltet der Verein Historische S-Bahn e.V. seine zahlreichen Sonderfahrten. Ihr wollt den Zug mal live auf der Strecke sehen? Hier geht’s zum Programm!

50 Jahre 470 128 – ein Blick auf den Traditionszug

Ihr wollt mehr über den Verein Historische S-Bahn e.V. erfahren?

Auf der Website des Vereins gibt es jede Menge Infos!

Fotos:

Jan Traupe