Das Magazin der S-Bahn Hamburg
Das Werk Stellingen – ein Update

Das Werk Stellingen – ein Update

Im Dezember 2017 feierten wir im Werk Stellingen großes Richtfest. Nach sieben Monaten Bauphase hat sich einiges am Kronsaalsweg getan. In diesem Artikel geben wir euch ein Update zum aktuellen Status der Baustelle.

Eins kann man vorwegsagen: Es hat sich einiges getan in Stellingen. Stand im Dezember gerade einmal das Grundgerüst des 160 Meter langen Instandhaltungswerks, wird mittlerweile u. a. der Innenausbau der Halle und des angrenzenden Verwaltungs- und Sozialgebäudes ausgeführt.

Warum baut die S-Bahn dieses neue Werk?

Ende 2018 tritt der neue Verkehrsvertrag in Kraft, der sich dem erhöhten Fahrgastaufkommen des Verkehrsunternehmens anpasst. So wird es nicht nur 60 komplett neue Züge der Baureihe ET 490 geben, sondern auch ein Redesign der bestehenden ET 474-Flotte. Damit steigt die Gesamtanzahl der Züge von 164 optional auf zukünftig 258. Diese zusätzlichen Fahrzeuge müssen instandgehalten werden.

Neben dem Hauptwerk in Ohlsdorf, welches bereits 1907 gebaut wurde, errichtete das Unternehmen in den 1970er-Jahren aus verkehrsstrategischen Gründen ein weiteres Werk an der Elbgaustraße. Das Gelände in der Elbgaustraße ist für einen Werksausbau zu klein, daher wurde eine neue Fläche für ein weiteres Werk gesucht – und am Kronsaalsweg gefunden. Hier werden parallel zwei weitere Zugbildungsanlagen im Zusammenhang mit dem Werksneubau realisiert.

In Zukunft können in der Gesamtanlage bis zu 38 Kurzzüge der Hamburger S-Bahn abgestellt sowie auf vier Gleisen und acht Arbeitsständen Instandhaltungsarbeiten durchgeführt werden. Insgesamt fließen rund 34,5 Millionen Euro in das neue Werk, das sich mitunter durch eines auszeichnet: Es ist grün!

Auf dem Dach befindet sich eine Photovoltaikanlage, die die Anlage vor allem im Sommer selbstständig mit Strom versorgen kann. Zudem werden im Werk werden zudem flächendeckend LED-Beleuchtungssysteme eingesetzt und aufgefangenes Regenwasser über Versickerungsanlagen dem Grundwasser zugeführt.

Das Werk verfügt darüber hinaus über zwei weitere Innovationen: Die Hauptkomponenten der Reparaturen und Revisionsprozesse befinden sich im Unterflurbereich der Fahrzeuge, daher ist der Fußboden die Hauptoperationsebene. Da man aber auch an die Dächer sowie an die Mitteleinstiegsebene der Züge gelangen muss, gibt es in Stellingen Transport-Arbeitsbühnen, die sowohl vertikal als auch horizontal einsetzbar sind, die in dieser Konstruktion einmalig Deutschland ist.

Zudem müssen in den Werken regelmäßig zwei verschiedene Stromversorgungssysteme an den Zügen überprüft werden. In anderen Werken sind diese Bereiche baulich getrennt. Da man aber in Stellingen so platzsparend und effizient wie möglich die zur Verfügung stehende Fläche nutzen will, gibt es Lasertrennwände, die ein paralleles Prüfen von 1.200 Volt der Gleichstrom- und 15.000 Volt der Wechselstromanlagen auf verschiedenen Arbeitsständen ermöglichen.

Was ist bisher geschehen?

Zurzeit befindet sich das Werk im Innenausbau und es werden alle Gleise sowie Verkehrsanlagen erstellt. So wurden bereits alle Kabel verlegt und auch ein Löschtank existiert bereits. Im Erdgeschoss werden die Meisterbüros, Werkstätten sowie die Leitzentrale und Technikräume zu finden sein. Für das erste OG ist ein Bürotrakt, ein Umkleidebereich sowie sanitäre Anlagen geplant.

Im 2. OG befinden sich dann in Zukunft ein großer Besprechungsraum, der teilbar ist sowie ein weiterer kleinerer Konferenzraum, Aufenthaltsräume und das Highlight: eine Dachterrasse. Hier können die Werksarbeiter ihre Mittagspause in angenehmer Atmosphäre genießen.

Bis Anfang 2019 wird das Werk in allen Bereichen fertiggestellt sein. Danach folgt ein dreimonatiger Probebetrieb, ehe das Werk vollumfänglich in Betrieb genommen werden kann. Das „grüne“ Werk wird zukünftig auch über eigene Abstellgleise, eine Zugbildungsanlage sowie ein Gleichrichterwerk und ein Rangierstellwerk für die Steuerung der Weichen verfügen.

Wie die Bauarbeiten in Stellingen weiter vorangehen, erfahrt ihr natürlich wieder bei uns im Magazin.

Fotos:

Lisa Knauer