Das Magazin der S-Bahn Hamburg
Vom ET 474 zum Redesign –  so bekommen unsere Züge einen neuen Look

Vom ET 474 zum Redesign – so bekommen unsere Züge einen neuen Look

Bereits seit Ende 2015 läuft der Umbau unserer Züge der Baureihe 474. Alle 112 Modelle bekommen ein helleres Design, verfügen über mehr Platz und beeindrucken durch mehr Komfort für die Fahrgäste. Werft mit diesem Artikel einen Blick hinter die Kulissen dieses umfangreichen Projekts.

Über die Hälfte ist geschafft: Aktuell fahren bereits 71 redesignte ET 474 durch das Hamburger Streckennetz. Woran ihr sie erkennt? Die Züge sind durchgängig begehbar, bieten mit einem großzügigen Mehrzweckabteil mehr Platz,  beeindrucken mit einem helleren Design und bald auch mit innovativen Info-Screens. Bis Mitte 2021 werden alle 112 S-Bahnzüge modernisiert. Solch ein Serienumbau ist ein umfangreiches Unterfangen.

Aus diesem Grund haben wir uns für dieses spannende Projekt Unterstützung vom DB Fahrzeuginstandhaltungswerk in Neumünster geholt. Diese Anlage verfügt über entsprechende Kapazitäten, um unsere Fahrzeuge in einem effizienten Zeitplan einen neuen Look zu verpassen.

Wie sehen die einzelnen Schritte aus?

Bevor die Züge in das Werk Neumünster überführt werden, demontieren unsere Kollegen im Instandhaltungswerk in Ohlsdorf bereits alle Sitzpolster. Diese werden in Hamburg gereinigt und gelagert, bis der ET 474 als Redesign in die Hansestadt zurückkehrt.

In Neumünster angekommen, benötigen die 50 Kollegen, die Tag und Nacht im Schichtbetrieb am ET 474 Redesign arbeiten, einen Tag für die weitere Demontage der Innenausstattung. Hier muss zunächst genau geprüft werden, welche Teile auch in dem neuen Zug eingebaut werden können und welche repariert oder ersetzt werden müssen.

Die Demontage beinhaltet den Ausbau aller Fenster, Türen, Seitenwände und Abdeckungen sowie den gesamten Fußboden inklusive der Klebenähte. Am Ende sehen wir den Zug lediglich als einen leeren Kasten, denn auch die Fenster werden für die Schweißarbeiten entfernt. Welcher Zug nach Neumünster überführt wird, macht die S-Bahn Hamburg vom Betriebsbedarf sowie von Verfügbarkeiten abhängig.

Der Mittelwagen nimmt im Prozess des Redesigns die meiste Zeit in Anspruch, da hier nicht nur an beiden Seiten die Übergänge mithilfe von Brücken eingebaut werden, sondern auch die Unterkonstruktion für die seitlichen Sitze des Mehrzweckabteils vorbereitet und eingesetzt werden muss. Um die Seitenwände stabil zu halten, während die Übergänge in die Seiten geschnitten werden, verschweißt man in den Seitenwänden einzelne Verstärkungen in den Wänden.

Wie sehen die Schweißarbeiten genau aus?

Sind die Durchgänge geschnitten, werden die Fahrzeuge erst gestrahlt, bevor der Schweißer an den Enden mit seiner Arbeit beginnen kann. Zusätzlich werden die Wagen, als Vorbereitung für die nachfolgenden Lackierungen, auch von außen abgeschliffen. Wenn die Schweißarbeiten abgeschlossen sind, kommen diese nacheinander zur Lackierung, nach welcher an den einzelnen Wagen die Übergangsbrücken eingebaut werden.

Die Übergänge entstehen

Vom ET 474 zum Redesign –  so bekommen unsere Züge einen neuen Look
Vom ET 474 zum Redesign –  so bekommen unsere Züge einen neuen Look
Vom ET 474 zum Redesign –  so bekommen unsere Züge einen neuen Look

Für diese Arbeiten stehen im Werk in Neumünster übrigens zwei Hallen zur Verfügung: Während in der einen Halle die De- und Montage stattfindet, werden in der anderen alle Schnitt- und Schweißaufgaben und die Vorbereitungen für die Lackierungen durchgeführt.

Bevor der neue Lack in einer Doppelschicht zum Einsatz kommt, werden die Wagen noch einmal geschliffen und grundiert. Wenn dieser Prozess abgeschlossen ist, erfolgt die Montage des neuen Fußbodens. Hierfür wird erst ein Holzfußboden verlegt, ehe der neue Belag folgt. Danach steht der Einbau der Fenster und Wänden mit erneuerten Rahmen auf der Agenda. Übrigens werden auch die Fenster gestrahlt und gepulvert, ehe sie neu lackiert in die redesignten Wagen eingesetzt werden.

Im direkten Vergleich fällt es sofort auf: die Farbe des Innendesigns ist anders. Das etwas angestaubte „Flieder“ weicht einem modernen Silber. Dieses fällt direkt bei der Trennwand zum Führerstand ins Auge, da diese nun ein wenig glänzt. Auch die Handstangen werden durch Edelstahlstangen ersetzt. Peu à  peu folgt nun auch der Einbau der neu lackierten Sitzgestelle.

Zudem werden bereits die Kabel für die Hardware des neuen Fahrgastinformationssystems verlegt. Momentan befindet sich das Gesamtsystem noch in letzten Tests.

Bevor der Zug in diesem redesignten Zustand nach Ohlsdorf überführt wird, überprüft ein Abnahmemeister mit der Qualitätsabteilung des Werks in Neumünster den Zug und geht die einzelnen Punkte in einem Kriterienkatalog durch. Sollten noch einzelne Nacharbeiten erforderlich sein, müssen diese innerhalb eines Tages erfolgen. Übrigens: Jeder redesignte Zug, der Neumünster verlässt, wird durch einen weiteren Zug, der eine Modernisierung bekommen soll, getauscht.

Der Feinschliff in Ohlsdorf

In Hamburg übernehmen die Kollegen im Werk dann die letzten Feinarbeiten. So stellen sie die Türen ein und dichten die Fußböden ab.  Zudem kümmern sie sich um die Montage der nötigen Piktogramme im Inneren der Fahrzeuge. 

Erste Erkenntnisse

In den ersten Planungen waren diese Vor- und Nacharbeiten auch für Neumünster vorgesehen.  Aufgrund der vielen unterschiedlichen Arbeitsschritte wären die Fahrzeuge dann jedoch pro Umbau für 30 Tage im Neumünsteraner Werk. Um den Prozesse effizienter und kürzer zu gestalten, werden seit einiger Zeit einzelne De- und Montagearbeiten von den Kollegen in Ohlsdorf übernommen.

Dadurch verkürzte sich der Prozess in Neumünster auf 27 Tage. Warum? So können Doppelarbeiten beider Anlagen verhindert und die Arbeitskraft an beiden Standorten am effizientesten ausgenutzt werden. Zudem wird so gewährleistet, dass alle 112 Fahrzeuge pünktlich bis Ende 2021 auch fertiggestellt werden.

Fotos:

Lisa Knauer