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Vorserienbetrieb: Der ET 490 wird auf Herz und Nieren geprüft

Vorserienbetrieb: Der ET 490 wird auf Herz und Nieren geprüft

Der ET 490 kommt! Doch bevor der Probebetrieb mit Fahrgästen beginnt, wurde der Zug erst einmal gründlich unter die Lupe genommen und auf Hamburgs Schienen getestet. Wir verraten euch, wie diese Tests genau aussahen.

Die Testfahrten des neuen ET 490 sind bereits seit Oktober 2017 in vollem Gang. Dabei legten die Züge bisher 60.000 Kilometer zurück und meisterten zahlreiche Probesituationen.  Die Erfahrungen, die die Techniker von Bombardier über den Zug sammeln, fließen direkt in die Produktion mit ein, um das Fahrzeug von Tag zu Tag zu optimieren.

Was wird alles untersucht?

Im Fokus steht vor allem die technische Erprobung des Fahrzeugs. Folgende Fragen untersucht das Technik-Team: Fährt das Fahrzeug so, wie es im Netz eingesetzt werden soll? Sind alle Funktionalitäten einsatzbereit? Zudem wird das Fahren in der Stromwechselstelle geprüft – immerhin ist das eine Eigenart der Infrastruktur der S-Bahn Hamburg. 

"Wir nutzen die vorhandene Zeit voll aus. Die Testfahrten sind eine wichtige Grundlage für einen zuverlässigen Start mit den neuen Fahrzeugen."
Kay Uwe Arnecke, Geschäftsführer der S-Bahn Hamburg.

Zudem wird die Bremsanlage getestet: Dabei prüft man, ob mit der zur Verfügung stehenden Bremsleistung der maximal zulässige Bremsweg eingehalten werden kann.

Auch die Antriebsanlage ist ein wichtiger Bestandteil der Tests. So wird immer wieder überprüft, ob die Züge ihre Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h im Stadtverkehr bzw. 140 km/h beim Einsatz nach Stade erreichen. Dafür wird bei Beschleunigungsfahrten auf die Höchstgeschwindigkeit die Zeit erfasst, um zu ermitteln, ob die vorgesehene Beschleunigung von 1,0 m/s2 erreicht wird.

Bei den Testfahrten wird das Gewicht der Personen mithilfe von Sandsäcken und Betonhanteln simuliert. Ein Sandsack wiegt 25 Kilo, während eine Betonhantel 680 Kilo Gewicht auf die Waage bringt. Insgesamt fahren so 45 Tonnen Gewicht in den neuen Zügen durch das Streckennetz. Hierbei wird getestet, ob der Zug beladen genauso bremst bzw. beschleunigt, wie im leeren Zustand.

Natürlich steht die Sicherheit der Mitarbeiter und Fahrgäste an erster Stelle: Genau aus diesem Grund werden auch das Zugsicherungssystem und die Zugfunkeinrichtung sorgfältig geprüft.

Der ET 490 in der Kältekammer

Hier wurden Regen, Eis und Schnee simuliert

Ein wichtiger Bestandteil der Tests ist außerdem der Fahrgastkomfort. Dazu gehört das Fahrgastinformationssystem (kurz FIS). Hier wird geprüft, ob die korrekte Station zum richtigen Zeitpunkt angesagt wird und ob die richtigen Ausstiegsseiten genannt werden. Zudem müssen sich auch die neue Klimaanlage und die Türen mehreren Check-ups unterziehen.

Hamburg ist eine Stadt mit vielen verschiedenen Witterungsbedingungen. Auch dieser Aspekt wird in den Probebetrieb einbezogen. Dank des langen Erprobungszeitraums, der sich über mehrere Jahres- und Tageszeiten erstreckt, haben die Techniker von Bombardier die Möglichkeit, alle klimatischen Einflüsse auf das Fahrzeug zu beobachten und zu untersuchen. So können die Auswirkungen der unterschiedlichen Temperaturen auf das Fahrzeug ebenfalls berücksichtigt werden.

Wie die weiteren Tests aussehen, erfahrt ihr natürlich immer aktuell bei uns hier im Magazin.

Fotos:

Cristina Lopez / Lisa Knauer