Das Magazin der S-Bahn Hamburg
Arbeiten in Coronazeiten – so läuft’s bei uns

Arbeiten in Coronazeiten – so läuft’s bei uns

Die letzten Wochen sind für alle herausfordernd. Aber wie hält man in Zeiten von Corona einen S-Bahn-Betrieb aufrecht? In unserem Artikel berichten einige Kollegen über ihren „neuen“ Alltag unter ganz speziellen Umständen.

Sven Nehls

Teamleiter für Lager und Logistik im Instandhaltungswerk in Ohlsdorf

Was ist die größte Herausforderung momentan?

Die größte Herausforderung, ist es, die Distanz zu allen zu halten. Wir sind ein recht kleines Team von 16 Personen und haben eigentlich meist eine sehr familiäre Stimmung im Team. Es klingt banal, aber schon das Weglassen des morgendlichen Händeschüttelns ist seit einigen Wochen eine leicht befremdliche Situation.

Wir haben einen Aufenthaltsraum mit zwei Tischen und zehn Plätzen. In dieser Zeit haben wir uns darauf geeinigt, dass maximal eine Person je Tisch erlaubt ist. Sonst haben wir mindestens einmal die Woche alle zusammen dort Mittag gemacht. Die Frühbesprechung und der Feierabendcheck hat immer mit allen Kollegen zusammen bei mir im Büro stattgefunden, stattdessen gibt es jetzt eine kurze Reinigungszeit. Jeder hat seinen bestimmten Bereich und kümmert sich dort z.B. um die Reinigung der Türklinken und die Lichtschalter...  Auch die Tastaturen der Arbeitsplätze oder die Lenkräder und Bedienfelder unserer Gabelstapler werden nun regelmäßig von unterschiedlichen Kollegen gereinigt. Es sind alle sehr gut dabei und wir machen das Beste aus dieser Situation.

Wie läuft die Kommunikation in diesen speziellen Zeiten?

Den Großteil der Kommunikation betreiben wir aktuell über das Tool „Team“ von Microsoft. Hier nutzen wir den Gruppenchat, die Video-Telefonkonferenzen oder über eingestellte Aufgaben in dem sogenannten Planer. Persönliche Gespräche werden so gut wie vermieden.

Ronny Rosenow

Teamführer im Nachtexpress* der betriebsnahen Instandhaltung

Wie hat sich Ihre Arbeit mit Corona verändert?

Da meine Tätigkeit ja mit der Reparatur und Instandsetzung zu tun hat, ist eine Tätigkeit im Homeoffice gar nicht möglich. Die Mitarbeiter der betriebsnahen Instandhaltung gehören zu den betriebskritischen Mitarbeitern, und so ist es wichtig den Schienenverkehr durch unsere tägliche Arbeit aufrecht zu erhalten.

Was ist die größte Herausforderung momentan?

Es ist gar nicht so einfach, Beruf und Privatleben zu koordinieren, da ich auch vier Kinder betreuen muss. Die Herausforderung besteht darin, den Tagesablauf so zu gestalten, dass niemand zu kurz kommt. Bei der Arbeit in der betriebsnahen Instandhaltung gerade im Nachtexpress in Ohlsdorf geht es  immer noch sehr familiär zu und die Arbeit macht trotz der anderen Umstände sehr viel Freude. Wir sind ein großes Team, wo jeder einzelne nicht für sich selbst denkt, sondern immer fürs gesamte Team, um dem Kunden so viele Züge wie möglich zur Verfügung zu stellen. Ein großer Dank gilt aber auch unseren direkten Führungskräften, die die Freistellung sowie extra benötigten Urlaub organisieren.

Wie läuft die Kommunikation momentan?

Unsere Kommunikation ist natürlich stark eingeschränkt, jeglicher Sicherheitsabstand muss eingehalten werden. Kurze dringende Besprechungen werden über Telefonkonferenzen oder digital über "Teams" gestaltet. Die Auftragsabrechnung erfolgt digital über die eigenen Tablets der Mitarbeiter. Das heißt, jeder bekommt seine eigenen Aufträge und muss nicht einen Ordner durchwälzen, den vorher schon andere in den Händen hielten.

(* Die Kollegen im Instandhaltungswerk arbeiten in einem zweiteiligen Schichtbetrieb.Eine Schicht ist 24 Stunden im Dienst und es gibt den sogenannten „Nachtexpress“. Hier wird in den Nächten von Montag bis Donnerstag gearbeitet.)

Daniel Wiese

Triebfahrzeugführer

Wie sieht die Arbeit momentan aus?

Da ich für die Fahrgäste unterwegs bin, ist Homeoffice für mich natürlich keine Option. Es ist immer noch sehr ungewohnt, den großen Abstand zu seinen Mitmenschen zu halten, beim Ablösen eines Kollegen gehört der Handschlag bei der S-Bahn eigentlich wie selbstverständlich dazu. Auch der obligatorische Kaffee im Stellwerk mit Kollegen fällt momentan leider aus. Sich regelmäßig die Hände zu waschen - das habe ich auch vorher schon beherzigt, auch wenn ich da natürlich momentan noch extremer drauf achte und nach fast jeder Zugfahrt erstmal Hände waschen gehe.

Man teilt sich schließlich im Führerstand den Arbeitsplatz und fasst im Rahmen seiner Arbeit jede Menge Türen, Griffe, Arbeitsgegenstände und dergleichen an. Seit knapp zwei Wochen gilt für uns auch die Maskenpflicht an Bahnhöfen und in den Zügen,  genauso wie für die Fahrgäste. Nur im Führerstand und in den Aufenthaltsräumen sind wir von dieser Tragepflicht entbunden, da wir hier keinen direkten Kontakt zu Kunden oder Kollegen haben.

Wie läuft die Kommunikation?

An der Kommunikation mit den Kollegen hat sich nicht viel geändert: Vieles erfolgt ja per Zugfunk oder Handy. Im direkten Gespräch versuche ich immer den Mindestabstand einzuhalten, das geht aber ganz gut.

Andreas Stolberg

Chief Security Officer des Securitymanagement der S-Bahn Hamburg

Wie sieht der Arbeitsalltag momentan aus?

Grundsätzlich kann ich problemlos im Homeoffice arbeiten. Durch die gute technische Ausstattung (Teams, Sharepoint etc.) ist das kein Problem. Natürlich spüre auch ich, dass mir der alltägliche Austausch mit den Kollegen fehlt. Das Tagesgeschäft ist aktuell vor allem dadurch gekennzeichnet, dass wir die Themen kurz und knapp abarbeiten, für einen Klönschnack vor oder nach den Besprechungen ist in den aktuellen Videokonferenzen kaum Zeit.

Was ist eine der größten Herausforderungen zurzeit?

Die aktuellen Anforderungen, Menschenmengen möglichst zu vermeiden, stellen für uns eine bis dato nicht gekannte Herausforderung dar. Grundsätzlich sollen unsere Sicherheitskräfte ja den Kontakt zu Menschenansammlungen aktiv suchen. Dies ist unter den gegebenen Umständen jedoch nur bedingt möglich. All das unter einen Hut zu bringen und Prozesse zu schaffen die auf alle Sicherheitskräfte anwendbar sind, ist nicht immer ganz einfach. Um den aktuellen Anforderungen Rechnung zu tragen mussten wir das Sicherheitskonzept und die Arbeitsweise der Kollegen erheblich anpassen.

Parallel gilt es in Zusammenarbeit mit dem Verkehrsvertragsmanagement Pönale zu vermeiden, da die aktuellen Anforderungen teilweise im Widerspruch zu den an uns gestellten verkehrsvertraglichen Vorgaben stehen.

Letztendlich dürfen wir auch nicht vergessen, dass auch unsere Sicherheitsmitarbeiter in diesen Zeiten um die Gesundheit ihrer Familien besorgt sind und sich trotzdem im Rahmen ihrer Tätigkeit über die gesamte Schichtdauer einem relativ hohen Risiko aussetzen müssen. Dennoch verzeichnen wir keinen extremen Krankenstand und können uns auch nicht über fehlende Motivation der Kollegen beklagen. Daher einen herzlichen Dank an alle Kollegen, die im direkten Kundenkontakt tagtäglich für uns im Einsatz sind.