Das Magazin der S-Bahn Hamburg
Historische S-Bahn Hamburg e.V. – Ein Verein aus Leidenschaft

Historische S-Bahn Hamburg e.V. – Ein Verein aus Leidenschaft

Habt ihr schon einmal im S-Bahn-Netz die alten, nicht roten Züge fahren sehen? Dann wars sicher eine Fahrt des Vereins Historische S-Bahn Hamburg, der mit Leidenschaft und viel Herzblut dafür sorgt, dass ein wenig S-Bahn-Geschichte lebendig bleibt.

Ohlsdorf an einem Samstagnachmittag. Ein paar Menschen stehen aufgeregt wartend mit Kameras auf dem Bahnsteig. Dann kommt er: Ein Zug der Baureihe 470 rollt in den Bahnhof ein, und die Fans knipsen fleißig Bilder. Denn so oft sieht man die Oldtimer nicht mehr auf den Schienen Hamburgs.

Dank des Vereins Historische S-Bahn kommen aber viele Hanseaten und Eisenbahnfans regelmäßig in den Genuss, diese Traditionszüge nicht nur von außen zu bestaunen, sondern auch mit ihnen Hamburg zu entdecken. Seit 1999 gibt es den ehrenamtlichen Verein, der sich um die Erhaltung und Pflege alter S-Bahn-Züge kümmert. Jedes einzelne der gut 120 Mitglieder ist mit Herz und Seele dabei.

Allen voran Dieter Stapel. Der Hamburger ist bereits seit 18 Jahren im Verein und mittlerweile Vorstandsvorsitzender. Bei der Abendfahrt Ende Januar ist er für den Gastronomieservice zuständig. Im hinteren der insgesamt drei Wagen werden frisch geschmierte Brötchen, alkoholfreie Kaltgetränke, Bier und Wein angeboten. Dieter Stapel hat die Verpflegung selbst mit einem Vereinsmitglied in einer Teeküche des Werkes vorbereitet. Man kann es sich also richtig gut gehen lassen auf solch einer historischen Fahrt durch Hamburg. Dementsprechend ist die Stimmung im Traditionszug auch bestens. Viele der Fahrgäste haben eine Fahrt mit der historischen Bahn geschenkt bekommen, weil es eben „etwas anderes ist als mit den modernen Zügen durch Hamburg zu düsen“, äußert sich einer der rund 50 Gäste an diesem Tag.

In den Wagen sitzen aber auch so einige Bahnfans, die nicht genug von den Retrozügen bekommen können und fast jede der Sonderfahrten mitmachen. „Wir wecken bei vielen Menschen Kindheitserinnerungen“, berichtet Stapel. Vor allem ein Erlebnis wird das leidenschaftliche Vereinsmitglied nicht so schnell vergessen: „Einmal schenkte eine ältere Dame ihrem Mann eine Fahrt zum Geburtstag. Als dieser den Zug betrat, kamen viele Emotionen hoch, und der Mann saß mit Tränen in den Augen auf einem unserer Sitze.“ Solche Begegnungen machen die Arbeit im Verein für alle besonders.

Viele der Vereinsmitglieder sind selbst mit Herz und Seele Bahnfans. Vor allem die Technik fasziniert sie. So auch Daniel Wiese. Der Lokführer kam über seine Mitgliedschaft im Verein zu seinem heutigen Job. Seine Faszination für die Bahn kann der 23-Jährige ganz leicht erklären: „Nach ‚Mama’ und ‚Papa’ war ‚Bahn’ eines meiner ersten Worte.“

Mittlerweile kann Wiese seine Leidenschaft nicht nur als Hobby, sondern auch im Beruf ausleben. Er ist begeistert von der einfachen Technik der alten Züge. „Der Mensch hat hier eine ganz andere, überwachende Funktion, im Gegensatz zu den modernen Fahrzeugen. Hier muss ich viel mehr Dinge im Blick haben, und das macht das Fahren mit den alten Modellen noch ein wenig anspruchsvoller.“

Aus diesem Grund gibt es eine spezielle Ausbildung für die Triebfahrzeugführer der Retrozüge. Auch für die Fahrgastabfertigung muss man erst geschult werden. Nur im Gastro-Bereich, beim Souvenirverkauf und für die Schaffnerfunktion braucht man keine vorherige Einweisung.

Eines wird schnell klar: Ein Nachwuchsproblem hat der Verein nicht. Bei dieser Abendfahrt sind nämlich so einige jugendliche Gesichter im Dienst. So wie Michael und Jannik – die beiden 19- und 17-Jährigen sind schon seit längerer Zeit im Verein tätig und kümmern sich meistens um den Gastro-Betrieb oder den Verkauf der Souvenirs. Dabei überrascht einen die Antwort nach ihren Berufswünschen nicht wirklich: Natürlich wollen sie später bei der Bahn arbeiten und irgendwann einmal eine historische S-Bahn durch das Streckennetz führen.

Aber die Vereinsmitglieder sehen sich nicht nur bei diesen vergnüglichen Fahrten: Die meisten sind auch bei den monatlichen Vereinstreffen dabei. Hier stehen mitunter die Planungen der zahlreichen Sonderfahrten im Hamburger Streckennetz auf der Agenda.

Vorrangig kümmert sich der Verein aber um die Betreuung der alten Züge. Zur Flotte gehören vier Züge der alten Baureihen 470/ 471. Unter ihnen sind der Museumszug ET 171 082, der derzeit auf eine neue Revision wartet, sowie zwei inaktive Fahrzeuge als hinterstellte Reserve. Gefahren wird derzeit ausschließlich mit dem Traditionszug 470 128. Eine Gruppe des Vereins kümmert sich darüber hinaus um die Instandhaltung und Betreuung von zwei nicht mehr fahrfähigen S-Bahn-Fahrzeugen im Lokschuppen Aumühle.

Bei der Instandhaltung der alten Züge arbeitet der Verein eng mit der S-Bahn Hamburg zusammen. Von dieser Zusammenarbeit profitieren beide Seiten. „Ohne die S-Bahn wäre unsere Tätigkeit nicht möglich“, so Dieter Stapel. Die S-Bahn Hamburg unterstützt den Verein aber nicht nur, indem sie die technische Instandhaltung der Züge vornimmt. Sie verkauft an den Servicestellen auch Fahrkarten für Sonderfahrten mit den Traditionszügen.

Was die Reise als Gast in einem dieser Züge besonders macht? Während der Fahrt rattert und pufft es, man hört immer wieder das Knirschen auf den Schienen, dazu kommt der Sound der Elektromotoren. Musik in den Ohren vieler S-Bahn-Fans. Wir können das Traditionszugerlebnis nur jedem nahelegen.

Fahrten 2018

9. Juni
Ausflugsfahrt

14. Juli
Von der Elbe an die Alster

9. September
Tag des offenen Denkmals

7. Oktober
Verkehrshistorischer Tag

10. November
Grünkohlfahrt

2., 9., 16. & 23. Dezember
Der Weihnachtsmann fährt S-Bahn

Historische S-Bahn Hamburg e.V.

Geschäftsstelle: S-Bahn Hamburg e.V., Hammerbrookstraße 44, 20097 Hamburg

Fotos:

Lisa Knauer